Warum Clean Eating kein Trend ist

"Clean Eating" ist momentan sprichwörtlich in aller Munde. Im Jänner bin ich dem Bayerischen Fernsehen als Expertin zur Seite gestanden und habe die Moderatorin der Sendung "Gesundheit!" bei ihrem Selbstversuch begleitet, sich knapp eine Woche komplett "clean" zu ernähren (>> mehr). Auf der VHS Salzburg findet heute der 3. meiner insgesamt 5 Kurse umfassenden Clean Eating-Reihe statt. Und auch sonst: "Clean Eating" hier, "Clean Eating" da, auch auf meiner Homepage: Clean Eating überall. :-)

 

Ach ja, ich hab es gerade ausprobiert: Amazon zeigte mir soeben 579 Vorschläge zu "Clean Eating Büchern" an, während mir Google 39,5 Millionen (!) Beiträge zu "Clean Eating" ausspuckte. Klar, dass man da gleich an eine trendige Modeerscheinung denkt, mit der sich momentan eben gerade Geld machen lässt.

 

Jein, sag ich da. So ganz stimmt das nicht:

 

 

Ok, der Begriff "Clean Eating" ist zwar neu und durch das englische Wording trendy, klar. Aber wenn ich über "die gesunde Vollwerternährung" schreiben würde (als was man "Clean Eating" eigentlich auch bezeichnen könnte), interessiert das doch keinen Menschen :-) Dazu kommt, dass "Clean Eating" durch Instagram, Pinterest und Food-Blogger hip und dank vieler unglaublich toller Food-Bilder im Netz richtig "vorzeigetauglich" geworden ist. Und ich bin natürlich ein Fan davon, wenn eine gesunde Ernährungsform (und egaaaaal, ob neu erfunden oder nur neu verpackt) hinter der ich auch stehe, modern, trendy und zum Lifestyle geworden ist. Weil das ja bedeutet, dass endlich mal viele einem Trend oder einer Einstellung nachlaufen, die auch Sinn machen. Finde ich halt. 

 

 

Und da ist es mir dann auch gelinde gesagt komplett wurscht, ob da in Wirklichkeit "eh nur eine gesunde Ernährung dahinter steckt", wie einige kritische Stimmen meinen. Auch wenn das so sowieso nicht stimmt. Denn viel mehr ist "Clean Eating" eine sehr zeitgemäße Ernährungsform, die genau die Schwachstelle unserer Ernährung trifft: das krank und dick machende Essen, das wir alle viel zu viel konsumieren. Und über das man aufklären sollte, trotz der Macht der starken Lobbys bzw. vielmehr gerade deswegen!

 

Ich versuche diese Entwicklung mal am Beispiel vom Getreidebrei oder Porridge oder Oats (Merkt ihr es? Alles im Prinzip dasselbe und doch klingt das eine altbacken und das andere hip, hipper, am hippesten): Der Vollwert-Getreidebrei der 1980er Jahre (yes, ich habe diesen selbst als Kind serviert bekommen) heißt jetzt "Overnight-Oats" oder "Porridge" und schaut dank liebevoll arrangierten Frucht-, Chiasamen-, Nuss-, oder Kokosflocken-Topping richtig vorzeigbar aus und macht Lust, ihn auszuprobieren. Und: Er schmeckt auch! Ich finde, heute viel besser als damals. Das Auge isst schließlich auch mit. Also etwas Altbewährtes, aber eben in eine zeitgemäße Hülle verpackt: Superfood meets Haferschleim oder so. 

 

Jetzt aber mal kurz back to basic: Was heißt denn "Clean Eating" überhaupt? Ich habe es >>hier detaillierter zusammengefasst, falls du mehr nachlesen möchtest. 

Grundsätzlich heißt "Clean Eating" möglichst unverarbeitete, frische und naturbelassene Lebensmittel zu konsumieren und sich deshalb zwangsläufig wieder mehr mit dem zu beschäftigen, was man tagtäglich isst – gemäß dem Motto „Du bist was du isst“. Saisonal, biologisch, vollwertig und ohne Zusatzstoffe.

Wer sich jetzt denkt, was denn das bitte mit Trend zu tun hat, wenn das doch die ursprüngliche Ernährung ist, mit der schließlich schon unsere Großeltern und die Generationen zuvor aufgewachsen sind, hat durchaus Recht. Genau um das geht es bzw. genau das möchte ich mit diesem Blog-Beitrag auch ausdrücken. Es ist nicht wahnsinnig innovativ, sich "clean" zu ernähren. Denn grundsätzlich ist es eine stinknormale Ernährung, die aber leider in der heutigen Zeit so überhaupt nicht mehr normal ist. Also doch nicht so stinknormal?

 

Denn jetzt kommt mein ABER, mein großes Aber:  Dafür bitte ich dich, mal ganz ehrlich zu dir selbst zu sein. Du kannst auch gerne gleich selbst parallel zum Lesen einen Etiketten-Check deiner Lebensmittel zu Hause durchführen. Du hast sicherlich ein Fruchtjoghurt im Kühlschrank oder eine Packung Kekse zu Hause. Vielleicht auch abgepackte Wurst aus dem Supermarkt, ein Fertig-Müsli oder Aufback-Brötchen. Vielleicht findest du auch eine fertige Pastasauce oder Salatsauce. Dann wird es besonders spannend. Das sind nämlich meine Favoriten - abgesehen vom Erdbeerjoghurt und der Müsli-Mischung, aber da kommen wir später noch dazu.

 

Jetzt tisch all diese Lebensmittel mal vor dir auf und check mal das Etikett und die Zutatenliste. Ich bin gespannt, was du darauf findest. Steht da was von Aromen, Konzentraten, Glukose-Fruktose-Sirup, Säureregulatoren, Hefeextrakt, Maltodextrin? Mmmh, gschmackig, oder? Hergestellt im Chemielabor, oft hat da gentechnisch verändertes Ausgangsmaterial bei allerlei Zusatzstoffen noch die Finger im Spiel. Also wirklich nichts, das du deinem tollen Körper geben möchtest, oder? Geht mir auch so. Also Finger weg, ist nicht clean bzw. in anderen Worte: ist nicht natürlich und schon gar nichts, was dein Körper braucht. Gerade Salatsaucen lassen sich mit z.B. Naturjoghurt, frischen Kräutern, hochwertigem Olivenöl und Essig oder frisch gepresstem Zitronensaft selbst herstellen. Ähnliches gilt für die Pastasauce. Gemüse oder Hackfleisch anbraten und Tomaten dazu, mit Kräutern abschmecken. Easy!!!! Und so viel besser und 100% clean. 

 

Wegen dem Erdbeerjoghurt möchte ich noch ganz kurz etwas mitteilen, das mich immer wieder wütend macht: Was bitte machen mit Traubenzucker, Glukose-Fruktose-Sirup und zugesetztem Zucker gleich drei verschiedene Zuckerarten in einem Becher Fruchtjoghurt, wo doch echte reife Beeren durch ihren natürlich enthaltenen Fruchtzucker schon genügend Süße geben würden? Naja, wenn nur 10% Frucht im Endprodukt stecken (so quasi 1 Beere), ist es auch wieder logisch, dass wir im Labor hergestellte Aromen brauchen, um den Erdbeergeschmack herzustellen bzw. färbendes Pflanzenkonzentrat (yes, hat wieder was mit dem Chemie-Baukasten zu tun) für die rote Farbe. Schaummittel, Natriumcitrate und E472b (=Milchsäureester von Mono- und Diglyceriden von Speisefettsäuren) machen das Joghurt dann auch nicht gesünder. Und jetzt erklärt mir noch einer, was so kompliziert daran ist, ein Naturjoghurt zu öffnen, im Sommer ein paar frische Erdbeeren rein zu schneiden (geht auch püriert, wem das lieber ist) und von mir aus mit etwas Honig zu süßen? Eben!

 

Ähnlich wie das Fruchtjoghurt, gehören auch die meisten Cerealien bzw. Müsli-Mischungen in die Kategorie "Süßigkeit" und unterliegen somit dem Gesetz "bitte sparsam genießen" (wenn überhaupt). Müslis aus dem Supermarkt sind oft regelrechte Zuckerbomben und haben mit gesunder Ernährung aber so was von gar nichts zu tun! 

 

Und das ist genau der Punkt, warum ich froh bin, dass "Clean Eating" gerade in aller Munde bzw. im Netz so populär geworden ist. In vielen unserer Lebensmitteln steckt so viel Chemie drin, dass mir oft ganz schlecht wird. Und das nur vom Etiketten lesen, das genügt dafür schon. Und wir essen sie, ohne uns darüber großartig Gedanken zu machen. Gedanken darüber, was diese Zusatzstoffe in unserem Körper anrichten können. Du sollst jetzt nicht zum Freak werden und wie verrückt alle Lebensmittel nach bösen Dingen absuchen und verteufeln (das kann dann hier enden: >>Orthorexia Nervosa). Aber du darfst dir ruhig wieder mehr im Klaren werden, warum gewisse Lebensmittel so billig sind und dass billige Massenproduktion gerade bei unserem Essen oftmals alles andere als zielführend für unsere Gesundheit ist. 

 

 

Es kann gut sein, dass du - gerade wenn du viel selber kochst und auf Fertigprodukte in Form von z.B. Fertig-Saucen, Pizzen, Dressings oder Fertig-Gebäck verzichtest sowie Zusatzstoffe und Geschmacksverstärker meidest, schon ein "sauberer Esser" bist. Ich bin mir fast sicher, dass auch du noch einiges an deiner Ernährung optimieren kannst bzw. dich mal wieder bewusster mit dem beschäftigen solltest, was du isst und vielleicht das ein oder andere Produkt gegen ein "sauberes" austauscht. 

 

Für mich ist "Clean Eating" übrigens KEIN Trend. Weil das ja bedeuten würde, dass es ein Ablaufdatum hat. Für mich ist es eine ganz normale Ernährungsform, wie ich sie selbst als Kind von zu Hause vermittelt bekommen habe und wie ich sie im Laufe meiner Ausbildungen, Fortbildungen und Recherchen im Ernährungsbereich als sinnvoll und richtig gelehrt bzw. kennengelernt habe. Wie diese Ernährungsform heißt, spielt für mich keine Rolle. Ich finde mich in diesem "Trend" aber wieder und freue mich darüber. Ich freue mich, dass gesunde Ernährung sexy geworden ist und freue mich, dass ich auch weiterhin vielen Klienten die gesunde Ernährung (wie auch immer sie oder du sie bezeichnen möchtest) näher bringen kann. 

 

 

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