SportWIssen: Was bedeutet... Aerob und Anaerob?

Wenn du Sportler - insbesondere Läufer - bist, hast du sicher schon mal was von "aerober" und "anaerober" Ausdauer gehört bzw. bist schon mal darauf hingewiesen worden, dass du beispielsweise nur im "aeroben Bereich" trainieren solltest. Ok, so in etwa weißt du vielleicht, was das bedeutet: Aerob ist jetzt nicht so anstrengend und bei anaerob kriegst du einen roten Kopf?

 

Mmmmh, gar nicht mal so daneben, aber dennoch nicht ganz korrekt. Befassen wir uns mal genauer mit diesen Begriffen. Sorry dafür, aber ein bisschen Wissenschaft muss an dieser Stelle nun einfach sein...

Jetzt gleich mal beinhart sportwissenschaftlich losgelegt, bedeutet "aerob" immer "Sauerstoff verbrauchend" und setzt somit voraus, dass Sauerstoff vorhanden ist. Bei "anaerob" laufen die Vorgänge ab, ohne dass Sauerstoff benötigt wird. Wenn du also von deinem "aeroben Bereich" sprichst, bedeutet das vereinfacht gesagt, dass du für die Gewinnung der Energie, die du für deine Bewegungen benötigst, Kohlenhydrate oder Fette heranziehen kannst. Wie das mit der Verstoffwechselung von Kohlenhydraten bzw. Glukose (= aerobe Glykolyse) bzw. Fetten (= aerobe Lipolyse) mit Sauerstoff funktioniert und was es mit dem berühmten Fettverbrennungsmythos auf sich hat, ist aber ein anderes Thema. 

 

Wenn du nun in einem "langsameren" Tempo - also aerob - unterwegs bist, hat dein Körper in der Regel genügend Zeit, die permanent erneut benötigte Energie über deine Kohlenhydrat- und Fettreserven zu erneuern. Nur leider geht das nicht ewig, ohne dass du Energie in Form von Essen bzw. kohlenhydrathaltigen Getränken nachfüllen müsstest. Das wissen alle, die lange Distanzen laufen oder schon mal eine mehrstündige Bergtour absolviert haben. Moderate Intensitäten sind dank unserer in Leber und Muskeln gespeicherten Kohlenhydratreserven mehrere Stunden möglich, niedrige Intensitäten dank unserer fast schon unendlich erscheinenden Fettreserven je nach Trainingszustand theoretisch mehrere Tage. Aber eben nur theoretisch, weil dann ja noch andere Faktoren noch hinzukommen, die dich zum Pausieren zwingen. 

 

Anaerob bedeutet also, dass Sauerstoff für die Energiebereitstellung nicht erforderlich ist. Hier hat der Körper zwei Möglichkeiten zur Energiegewinnung: Entweder über das Kreatinphosphat oder die unvollständige Verbrennung von Glukose (= anaerobe Glykolyse), wo das berühmte Laktat gebildet wird. Unvollständig, weil die Glukose nur bis dahin abgebaut werden kann, bis Laktat entsteht. Dadurch wird natürlich auch weniger Energie erzeugt, als wenn es komplett abgebaut werden würde, wofür aber Sauerstoff erforderlich wäre und wir wieder bei der aeroben Glykolyse angekommen sind.

 

Streng genommen geht es immer um das ATP (Adenosintriphosphat), das die einzige Möglichkeit unseres Körpers ist, Energie zu gewinnen. Es geht genauer gesagt um die Produktion von ATP - das kann aerob oder anaerob geschehen. Ich möchte dich nicht verwirren und auch gar nicht näher darauf eingehen. Nur so viel: Dieses ATP ist unsere einzige Energiequelle und blöderweise schon nach ca. 1-2 sek verbraucht. Also reicht das ATP, das wir im Körper haben, für quasi einen Mini-Sprint. Danach würden wir wohl zusammenklappen, kämen dann nicht die verschiedenen Formen der Energiegewinnung über unsere Kohlenhydrat- bzw. Fettspeicher (aerob) oder  anaerob mit Hilfe von Kreatinphosphat oder Laktat. Und somit sind wir wieder bei der aeroben oder anaeroben Energiebereitstellung angekommen.

 

Am längsten können wir "aerob" unterwegs sein, weil gerade unsere Fettspeicher so groß sind, die uns viel Energie liefern. Mit Kreatinphosphat (anaerob) kann das verbrauchte ATP für Leistungen unter 12 Sekunden ausreichend aufgefüllt werden: z.B. Gewichtheben, Kurzsprint. Der anaerob-laktazide Weg (also ohne Sauerstoff, aber mit Laktatbildung) ist einerseits für Leistungen zwischen 2 und 10 Minuten (z.B. 1.500 m Lauf) relevant und dann auch wieder bei langen Distanzen wie einem Marathon, wobei hier natürlich vorrangig auch die Glykogen- und Fettverbrennung von Bedeutung ist.

 

 

Wenn wir länger in einem Bereich unterwegs sind, in dem Laktat gebildet wird, wird unsere Leistung dadurch leider begrenzt, da unser Muskel ermüdet. 

 

Exkurs Laktattest:

Falls du schon mal einen Laktattest gemacht hast, kennst du deine aerobe und anaerobe Schwelle. Diese Laktatschwellen sind Indikatoren deiner Ausdauerleistungsfähigkeit. Logisch: Je schneller du laufen kannst, ohne dass zu viel Laktat gebildet wird, das deinen Muskel irgendwann ermüden lässt, desto ausdauernder bist du bzw. desto weiter kommst du. Die aerobe Schwelle wird mit unter 2 mmol Laktat/l Blut definiert. Hier reicht die aerobe Energiegewinnung aus (siehe oben). Im aerob-anaeroben Übergangsbereich (2-4 mmol Laktat/l Blut) halten sich Laktatbildung und Laktatelimination die Waage. Bei 4 mmol Laktat/l Blut sind wir in der anaeroben Schwelle angekommen, die als obere Grenze für ein Laktatgleichgewicht gilt. Wenn du weiterhin im gleichen Tempo läufst oder es sogar steigerst, wird das unweigerlich zu einer Übersäuerung deiner Muskulatur führen, weil nun zu viel Laktat im Muskel ist, das nicht mehr so schnell abgebaut werden kann wie es aufgebaut wird.

 

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